Den Laden dichtmachen, scheitern, schließen – und nu?
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Den Laden dichtmachen, scheitern, schließen – und nu?

Laden schließen

Den Laden dichtmachen, scheitern, schließen – und nu?

Im Mai 2008 hatte ich mein Studio „Viva la Diva – Zentrum für Schönheit, Weiblichkeit & Kreativität“ nach wenigen Monaten dicht gemacht.

Die Geschäftsidee (Selbernäh-Werkstatt; Workshops & Einzelberatungen zu den Themen Styling, Make up und Image) von der ich anfangs glaubte, ach was – ich war 200 % sicher dass es das Richtige für mich ist – war schnell gescheitert.

Denn: Trotz aller Euphorie und Begeisterung meinerseits kamen kaum Kunden, ich machte kaum Umsatz und überhaupt war es überhaupt nicht so wie ich es mir erträumt hatte….

Also habe ich schnell die Reißleine gezogen (gottlob hab ich den Laden erstmal nur für vier Monate angemietet und kam schnell wieder aus dem Vertrag raus) und hab meine Zelte abgebrochen.

UND gottlob hatte nicht allzuviel Geld investiert (ein paar Tausender in die Einrichtung, Flyer & Co., aber den größten Teil der Möbel konnte ich weiterverwenden) insofern war der finanzielle Schaden verkraftbar.

Zwar war ich mir sicher dass es richtig war aufzuhören, aber der Gang an sich war schon schwer. Ich erinnere mich noch gut wie ich mit der Hilfe zweier Freundinnen meinen liebevoll eingerichteten Laden ausräumte, die sieben Sachen in den Bus schmiss und nochmal durchsaugte.

Das tat schon weh. Das war ein Scheitern.

Eine Idee von der ich das Gefühl gehabt hatte: „Ja! Das ist es! Wirklich! Genau das was ich machen will und wonach mein Herz ruft!“ hat nicht funktioniert.

2 wichtige Punkte stimmten schon nach kurzer Zeit nicht:

1. Ich fühlte mich angetackert in diesen Räumen. Obwohl es schon immer ein großer Traum von mir gewesen war einen Laden oder ein Studio im Bremer Ostertor zu haben, fand ich es dann als ich da war – blöd.

Es war schönes Wetter, alle Welt genoss die Sonne, ging Eis essen oder hing an der Weser ab aber ich wartete im Studio auf Kunden. Schon nach kurzer Zeit war ich genervt dorthin zu gehen.

Obwohl ich nur ein paar Tage die Woche feste Öffnungszeiten hatte (das war mir wenigstens schon seinerzeit klar dass ich nicht rund um die Uhr im Laden festgebunden sein will) fiel mir schnell die Decke auf den Kopf. Ich wollte frei sein!!!

Der Traum nach einem eigenen kleinen schönen Laden war wohl mehr wie der nach einem tollen Auto: Es ist etwas im Außen von dem du glaubst es würde dich glücklicher, attraktiver, selbstbewusster, besser machen, doch das tut es dann nur zu Anfang. Dieser Effekt nutzt sich schnell ab.

 

2. Es kamen zu wenig Kunden = kaum Umsatz = kaum Geld.

Zwar kamen regelmäßig Freundinnen auf ein Pläuschchen oder Sektchen, aber das war ja nicht ganz der Sinn der Sache…

Dabei hatte ich so viel Liebe, Herzblut, Energie und auch Geld in dieses Projekt gesteckt.

Es war schon seinerzeit ein Herzenswunsch Frauen schöner und glücklicher zu machen.

Was ich also gedacht und gefühlt hatte: dies ist es! Das ist dein Ding! Das flutscht! wurde zum Klotz am Bein und trotz vieler Bemühungen kein Erfolg.

 

Was waren aus heutiger Sicht die Gründe für den Misserfolg?

Ganz klar:

  1. Ich hatte mein Angebot zu breit gefächert.

Ich wollte möglichst viele meiner Talente und Leidenschaften in diesem Projekt unterbringen (damit mir nicht langweilig wird), aber durch dieses breite Angebot konnte ich nicht klar sagen was ich eigentlich mache und somit verstanden die potentiellen Kunden nicht genau was sie bei mir bekommen.

Es wurde nicht klar worum es hier ging. Was die Kunden in dem Laden sollten. Was sie genau erwartete.

Meine Message kam nicht rüber.

Mein flyer war überladen (obwohl ich sogar einen Texter angeheuert hatte wusste kein Mensch worum es eigentlich ging…).

2. Das Konzept und das Studio waren ungewöhnlich:

Kreativ-Werkstatt mit schmalen Öffnungszeiten, Workshop-Raum. Es gab aber nichts zu kaufen, insofern traute sich kaum ein Mensch hinein.

 

Um Werbung hatte ich mich einigermaßen gut gekümmert, da kann ich mir wenig vorwerfen:

Ich hatte einen großen Artikel mit Foto in der Bremer Tageszeitung sowie zwei Artikel und auch Werbung in den Stadtillustrierten. Ich hab auf dem Marktplatz Flyer verteilt und mich in den umliegenden Geschäften vorgestellt.

Eine Website hatte ich seinerzeit nicht, das war „damals“ aber auch eher normal.

Heute könnte man dies Konzept sicherlich mit Google, Facebook & Co. besser puschen, aber nun denn.

 

Es lief also nicht und ich war mega unzufrieden – also – dicht gemacht und erstmal den Rückzug angetreten.

Das war nicht grad der schönste Sommer meines Lebens.

Aber ein sehr lehrreicher und nachdenklicher.

Ich war ziemlich fertig von diesem Scheitern.

War wirklich alle und leer. Konnte nicht mehr.

War enttäuscht. Von mir und anderen.

Von mir dass ich es nicht hingekriegt habe mein Herzensprojekt erfolgreich zu machen und von den potentiellen Kunden die meine Qualitäten und Brillianz nicht wahrnehmen wollten.

Vor lauter Frust zog ich mich vier Monate komplett zurück um diesen Brocken zu verdauen und tat erstmal gar nichts.

Ich war wie in einer Blase. Viel für mich allein und hab meine Wunden geleckt.

Hab erstmal gar nichts gemacht. Nahezu null. Hab nicht gearbeitet, mich überall abgemeldet, bei einer lieben Freundin gewohnt (für lau, danke Habibti!) und mich mit wenig Geld durchgeschlagen. Mein Liebster hat mich auch sehr unterstützt (Danke Jo!), mich zum Essen eingeladen, mir sein Auto geliehen wenn ich eins brauchte.

Mir war auch nicht nach Arbeitslosengeld o.ä., ich wollte einfach meine Ruhe haben.

Zu Beginn hatte ich nichts geplant wie lange das dauern soll. Ich konnte erstmal gar nicht mehr groß denken. Ich musste erstmal wieder mich sammeln und den ganzen Druck rausnehmen.

So richtig leer werden um dann später wieder mit neuen Ideen an den Start zu gehen.

Ich versuchte loszulassen und zu gucken was ich daraus lernen konnte.

 

Das möchte ich dir unbedingt sagen wenn du an dem Punkt stehst deinen Laden schließen zu müssen.

Ich wünsche mir dass du nie deinen Laden, dein Business aufgeben musst. Aber wenn es dir passiert, dann:

Nimm dir genügend Zeit um dies zu verarbeiten, zu trauern und daraus zu lernen.

Wenn du das machst, wirst du unglaublich viel für dich und deine zukünftigen Businesse dazulernen.

Wie bei einer gescheiterten Beziehung braucht es Zeit, aber du lernst und wächst.

Es geht immer weiter. Und wenn du klar bist, dann passieren auch hilfreiche Dinge, du findest Menschen die dich unterstützen.

Es kann gesünder und günstiger sein den Laden zu schließen als noch mehr Geld und Energie in ein sinkendes Schiff zu investieren und mit zu versenken.

Dein Gefühl sagt dir wann es gut ist. Wann es reicht. Wann Schluss sein muss.

Nix mit: es ist so einsam im Sattel seit das Pferd tot ist.

Nein. Runter vom Gaul und weitergehn ist angesagt!

 

Wenn ich das überlebt habe und danach sogar die effektivste Zeit meines Leben hatte, dann wirst du es auch schaffen und weitermachen.

Das Leben ist kein Ponyhof. Ein Business ist trial and error. Versuch mach kluch!

Diese und andere schlaue Sprüche passen da ganz gut.

Und so isses.

Kein Business ist es wert, dass du in tiefe Depressionen oder in Schuldenbergen versinkst. Keins!

Dein Business ist EINE Form um dich auszudrücken, bestimmte Erfahrungen zu machen und dich weiter zu entwickeln.

Aber das kannst du in einem anderen Business genauso gut. Manchmal sogar besser.

Denn du findest heraus, was du NICHT willst. Was nicht deins ist obwohl du dachtest das sei es.

Oft sehen wir uns im Traum in einem schicken Laden aber wenn wir dann sechs Tage die Woche von morgens bis abends dort verbringen während andere Eis essen gehen, dann kann der Spaß daran nachlassen.

Dann müssen wir Alternativen finden wie wir uns wohler fühlen können.

 

Was du dir überlegen solltest:

Du hast dein Business gestartet, weil du einen bestimmten Teil von dir erfahren möchtest. Du möchtest etwas Bestimmtes bewirken und erleben.

  • Wenn du Beratungen anbietest, möchtest du anderen helfen, sie unterstützen und begleiten auf ihrem Weg.
  • Wenn du einen Modeladen aufgemacht hast, interessierst du dich für Mode und Schönes und möchtest dass andere schöner aussehen und sich wohl fühlen.
  • Wenn du Coaching anbietest, möchtest du dass andere sich weiter entwickeln und du sie dabei unterstützt vorwärts zu kommen.
  • Wenn du Massagen anbietest, möchtest du dass andere sich entspannter und wohler fühlen.
  • Wenn du Ernährungsberatung anbietest möchtest du dass andere gesünder leben können und den Körper bekommen den sie sich wünschen.
  • Wenn du Kunsthandwerkerin bist möchtest du rumwerkeln, kreativ sein und andere mit deinen Kreationen erfreuen.

 

Natürlich möchtest du in jedem Bereich Geld verdienen, das ist nunmal ein nachvollziehbares Ziel, aber wie schon oft hier betont solltest du niemals ein Business allein wegen des Geldes starten.

Frauen tun dies auch eher selten.

Meist steckt ein anderer Wunsch und Traum, ein anderes Anliegen dahinter.

Wenn du dich also selbständig in dem gewünschten Bereich gemacht hast und dein Business nicht so läuft wie du es dir erträumt hattest, du aber gern weitermachen möchtest, dann gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • du lässt dein Business von Profis (Coach, BWLern, Steuerberater, Werbefachleuten) durchchecken ob etwas an deinem Außenauftritt (Werbung, Webseite etc.) verbesserungswürdig ist, deine Preise falsch kalkuliert oder nicht wettbewerbsfähig sind, du etwas anbietest was niemand oder nicht genug Kunden haben wollen.
  • du erkennst dass Verbesserungen nötig sind und es gibt einige Dinge die du übersehen hast oder aus Betriebsblindheit falsch machst. Die änderst du.
  • du investierst nochmals in deine Firma und bügelst diese Pannen aus

ODER

du erkennst dass dein Business auf dem falschen Weg ist und nicht das ist was du eigentlich wolltest:

Dann machst du den Laden dicht!

Verzweifel jetzt bitte nicht an dir oder deinen Fähigkeiten!

Gerade wenn frau ihre ersten Selbständigkeiten in Angriff nimmt, können Fehler passieren.

Mir ist es oft so gegangen, dass ich eine tolle Vision hatte, mich aber in der Realität dort nicht wiedergefunden habe.

  • Oder ich habe mein Angebot zu breit gefächert so dass niemand gleich erkannte was ich eigentlich mache.
  • Oder ich habe die Preise zu sehr aus dem Bauch heraus festgelegt, so dass ich nicht überleben konnte.
  • Oder meine Träume waren gar nicht genau was ich eigentlich wollte bzw. ich habe bestimmte Aspekte meines Wesens übersehen, die ich dringend zum Glücklichsein brauche.

Nun ist das Kind in den Brunnen gefallen, denkst du?

Alles für die Katz? Alles Geld, Energie und Zeit für nothing investiert?

Nein.

Ich, die in den letzten 20 Jahren mehrere Gründungen angefangen und ebenso wieder aufgegeben hat, weiß wovon ich rede.

Klar, die erste Zeit nach der Schließung war immer mehr oder weniger heftig.

Manchmal war ich froh dass es vorbei war. Ich konnte und wollte nicht mehr kämpfen. Ich hatte keine Lust und Kraft mehr.

Aber manchmal ist auch ein großer Traum gestorben, zumindest in dieser Form.

Das tut weh und ist schmerzhaft und traurig.

Aber immer ist daraus etwas Gutes und Neues entstanden.

 

Ich habe immer Unmengen in jeder Selbständigkeit gelernt.

Ob es flyer und Visitenkarten erstellen war, kostenlose Berichte und Werbung in Printmedien zu schalten, Seminare zu organisieren, Buchführung regeln etc. pp.

In jedem Business habe ich eine oder mehrere dieser wichtigen Punkte lernen und verbessern können.

So dass ich heute vieles auf dem FF kann.

Wenn ich nie probiert hätte und gescheitert wäre, müsste ich bei einem heutigen Start in die Selbständigkeit all diese Dinge auf einmal neu lernen, was ganz schön viel wäre.

Heute kann ich schon viel oder weiß wer mir dabei zuverlässig helfen kann.

So dass ich mich auf Wesentliches konzentrieren kann.

Und ich habe rausgefunden was wirklich zu mir passt.

 

Wenn du also dein Business in dieser Form aufgeben musst oder willst, dann mach dir bewusst:

Du hattest eine bestimmte Form im Kopf wie es zu sein hat um ein bestimmtes Sein in deinem Tun auszudrücken (helfen, kreativ sein, mit Menschen umgehen, beraten, verwöhnen etc.)

Diese Aspekte kannst du genauso gut in einer anderen Form ausleben, oder?

Ich hab immer wieder die Erfahrung gemacht dass ich etwas was ich tun und sein wollte in eine Form packen wollte, die dann aber gar nicht für mich stimmte.

Es muss nicht die Massagepraxis sein. Es muss nicht der Dekoladen sein. Es muss nicht die Beratung sein.

Es gibt heutzutage (vor allem dank des Internets) so viele Wege um uns auszudrücken, auszuleben und ein Business zu starten.

Ein schöner Spruch:

Lass die Form sich selbst erschaffen.

Konzentriere dich auf die Seinsaspekte die du hervorrufen willst. Frag dich: Wer und wie will ich SEIN?

Meint: du möchtest etwas bestimmtes sein (helfend, kreativ, frei, unabhängig, wertvoll etc.). Wie das im äußeren aussehen kann, dafür gibt es viele Varianten.

Da bist du nicht auf eine festgelegt.

Überlege:

Welchen Seinsaspekt möchte ich unbedingt hervorrufen und leben?

Konzentriere dich ganz hierauf.

Erzwinge keine Form (Laden, Webseite etc.), sondern warte was für Möglichkeiten aus dem Außen auf dich zukommen wo du diese leben kannst.

Es kann auch passieren, dass du erst einmal gar nicht selbständig werden musst, sondern in anderen Bereichen (Freizeit, Beruf, Familie, Freunde, Hobby) diese Arten zu sein ausleben kannst.

Das kann dich genauso glücklich (sogar noch entspannter glücklich) machen als wenn du alles auf eine Karte setzt und damit deinen Lebensunterhalt verdienen willst.

Automatisch kommen somit nämlich auch Stress, Erfolgsdruck, schlaflose Nächte, unbezahlte Rechnungen, unerwartete Kosten, gesundheitliche Einschränkungen hinzu.

Dinge die du dir ersparen kannst.

Also: den Laden schließen tut weh. Wir empfinden es als Scheitern. Aber im Nachhinein erkennst du dass es das Richtige war und du findest neue Wege dich zu leben und damit andere zu bereichern.

Erzwinge nicht die äußere Form – lass die Form sich selbst erschaffen. Sei einfach! ;-)

Wie ist es bei dir?

  • Hast du schon einmal einen Laden schließen müssen oder stehst kurz davor?
  • Wie hat sich nach der Schließung deine Selbständigkeit entwickelt?
  • Gab es neue Möglichkeiten, Wege?

Ich freu mich über deine Meinung gleich hier in den Kommentaren!

Herzlichen Dank,

Ines

 

 

 

Autor: Ines
inescordes@web.de

Kreatives Multitalent mit viel Wissen und Erfahrung aus über 20 Jahren Selbstständigkeit. Ich zeige dir wie du dein geliebtes Business nach vorne bringst & dabei glücklich bist. LET´S DO IT! Mehr über mich!

2 Kommentare
  • Stephanie Guderjahn
    Posted at 15:34h, 30 Mai Antworten

    Ohhh mein Gott, Ines … Esist unglaublich aber das was du hier schreibst hätte 1 zu 1 von mir sein können. Die gleichen Ängste & Gefühle mit der Schließung meines Lädchens. Die gleiche Blase in der ich noch ab und an sitze und diese brutale Antrieblosigkeit. Doch langsam geht es wieder voran, ein neuer interessanter Weg. Ich bin wirklich froh diese Entscheidung getroffen zu haben auch wenn ich manchmal noch etwas wehmütig zurück blicke. Es war eine schöne Zeit, doch das neue was kommt wird noch viel besser !!! Dich schickt der Himmel !
    Liebste Grüße Stephanie aus Nordenham

    • Ines
      Posted at 10:25h, 06 Juni Antworten

      Liebe Stephanie,
      vielen lieben Dank für deinen Kommentar! Bestimmt können sich viele mit unserer Stimmung bei der Ladenschließung identifizieren. Und wie schön dass sich ein neuer Weg für dich auftut. Ich schwör dir: Es wird ein besserer! ;-)
      Ich kann nach nunmehr fast 3 1/2 Jahren nach der Schließung sagen: Ich hab´s nicht eine Sekunde bereut.
      Ich wünsch dir alles Gute!
      Liebste Grüße,
      Ines

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