Welche Öffnungszeiten soll ein Laden haben? Ein Selbstversuch
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Welche Öffnungszeiten soll ein Laden haben? Ein Selbstversuch

Welche Öffnungszeiten soll ein Laden haben? Ein Selbstversuch

Kaum ein Thema hat mir so viel Kopfschmerzen bereitet wie die Öffnungszeiten  meines Ladens.

Insgesamt habe ich diese in knapp drei Jahren viermal (!!!) geändert.

Angefangen im März 2010 mit (da hab ich noch 3 volle Tage als Coach gearbeitet):

Do/Fr 14-19 und Sa 10-14 Uhr

Nach vielleicht 4 Monaten:

Sa 11-14 Uhr (vor 11 Uhr war eh noch nix los, da schlafen die Viertelbewohner & Co. noch)

Ab September 2010 dann (Coaching-Job-Ende) ausgedehnt auf:

Di-Fr 11-13 und 15-18.30 Uhr, Sa 11-14 Uhr

So sollte es eigentlich bleiben. Dass ich den Montag geschlossen ließ war mir wichtig um wenigstens zwei freie Tage am Stück zu haben. Diese Entscheidung habe ich nie bereut, obwohl ich schon öfter von Kundinnen höre, dass sie an einem Montag vor meiner verschlossenen Tür gestanden haben…

Tja – das tut mir schon leid und ist mir auch immer noch ein ganz klein bisschen unangenehm, aber wie gut diese Zeit für mich war ist nicht wettzumachen.

Nur dann ging´s los. Weil ich ja auch online fleißig und emsig vorwärts kommen wollte und mich dieses Thema auch schon immer fasziniert hat, waren dann die fünf Tage plus Einkauf, Bestellungen, Email, Telefonate, Post, Blogposts schreiben, Recherchieren, Werbung etc.pp. schnell zuviel.

Ich brauchte dringend Unterstützung!

So suchte und fand ich dann eine und noch eine und noch eine Aushilfe. Da es sie aber nie ewig bei mir hielt, bzw. ich auch nie zufrieden war und…  (Stopp! Das ist ein anderes Thema und kommt ein andernmal auf den Tisch).

Schlussendlich beschloss ich im Oktober 2012 das Ding allein zu schaukeln.

Nur noch selbst im Laden zu stehen und meine Kundinnen auf meine Art zu beraten und zu umsorgen.

Ach so – im März 2012 knippste ich abends schon mal eine halbe Stunde ab und reduzierte auf:

Di-Fr 15-18.30 Uhr

Dies deshalb weil die meisten Läden um mich herum auch schon um 18 bzw. 18.30 Uhr schließen und nur wenige Kunden danach noch den Weg zu mir fanden.

Im November dann die Wahnsinns-schrille-Todesmut-Lösung:

Mo/Mi/Sa geschlossen

Di/Do/Fr 11-13 und 15-18.30 Uhr.

Puh – das war vielleicht ne schwere Geburt. Da hab ich wochenlang drüber nachgegrübelt, hin und her geschoben, neu variiert, mit Freundinnen durchgekakelt und mich um den Schlaf gebracht.

Diese Entscheidung den Laden nur noch für drei Tage zu öffnen fiel mir unendlich schwer.

Ich bekam Angst dass alle Kundinnen stinksauer auf mich würden und mein Geschäft nie mehr betreten würden und denken würden: „Die blöde Kuh!“ „Hat die das nicht mehr nötig?“ „Wegen Reichtum geschlossen oder was?“ „Kein Bock zu arbeiten?“

Solche und ähnlich harte Sprüche geisterten mir im Kopf rum. Wochenlang!

War ganz fies.

Ich weiß dass die Kunden am allerliebsten Läden haben, die Mo-Sa von 7-22 Uhr geöffnet haben (mir geht´s jedenfalls so). Ich liebe z.B. Rewe (Achtung Schleichwerbung;-)) weil ich mir kaum Gedanken machen muss ob die noch aufhaben oder ich umsonst da vorbei fahre. Ist schon superspitzenklasse.

Herr Rewe allein würde sich allerdings dort auch nicht die ganze Woche durch hinstellen. Zumindest nicht sehr lange.

Für mich ist das jedenfall nix. Ich brauche mehr flexible Zeit für mich und meine Ideen und anderen Leidenschaften.

Ist nun mal so.

Im Laufe der vergangenen Jahre habe ich GottseiDank gelernt dass ich mich hier nicht an anderen orientieren muss oder denken muss: Die schafft das doch auch, warum ich nicht?

Nö. Ist völlig schnurz was andere machen und aushalten können. Hier geht´s nur um mich und mein Wohlbefinden.

Und dem geht´s mit dieser Drei-Tage-Laden-Woche schon mal viel viel besser.

Nun ist die große Frage: UND? Wie ist es gelaufen?

Hast du noch Kunden? Kommen noch welche? Sind die Kunden abgenervt? Werden dir Löcher in den Bauch gefragt warum und wieso?

Die Antwort:

Nö. Fast gar nicht. Ich meine es kommen noch Kunden und diese sind nicht oder nur wenig abgenervt. Ich glaube mich haben seit dieser Zeit vielleicht vier Frauen gefragt warum und wieso und weshalb. Die anderen Kundinnen haben es völlig gelassen und verständnisvoll aufgenommen.

Ich war fassungslos wie gelassen.

„Ach so, ok, dann ist das so.“ „Kann ich mir einteilen. Notier ich mir.“ “ Nee klar, sie haben ja auch viele Stammkundinnen, die richten sich dann schon danach, nech?“

Manche meinten sogar: (haltet euch fest!) „Weil Sie schlau sind!“ „Das machst du richtig!“ „Gut so!“

Ha – und dass alles nach meiner Hin-und-Her-Überlegzeit. Echt der Hohn.

Und das Beste ist: Der November war der beste Monat überhaupt. Seit Bestehen. Ist das nicht unglaublich?

Die Kundinnen und Einkäufe haben sich auf diese drei Tage konzentriert und es war fast durchgehend gut zu tun.

Das war bei fünf Tagen nicht immer so, da war mehr Leerlauf. Jetzt geht´s in der Zeit meist voll zur Sache, aber da hat Frau Unternehmerin ja auch nichts gegen.

Mein Resümee also:

Es kann durchaus okay sein, die Öffnungszeiten vom eigenen Laden den individuellen Bedürfnissen anzupassen. Ist manchmal sogar schlau und effektiv.

Damit will ich nicht behaupten dass dieser Entwurf für dich der Richtige ist und du sofort deine Zeiten umstellst. Natürlich hängen die Öffnungszeiten stark mit Faktoren wie Lage, Kundenvolumen, Laufkundschaft, Stammkunden, Regelungen etc. zusammen.

Teilweise musst du dich beugen. Und vielleicht zu Anfang deinen Ladens mehr geöffnet haben um bekannter zu werden.

All dies kann für dich eine Rolle spielen.

Was ich sagen will: Wenn du es dir irgendwie erlauben und einrichten kannst, dann halte deine Öffnungszeiten bei einem kleinen Laden möglichst schlank und schaffe dir Freiräume. Damit du lange Spaß, Energie und Freude an deinem Business haben kannst.

Das wünsche ich dir!

Mir hat es bislang nicht geschadet, meine Öffnungszeiten zu reduzieren, im Gegenteil (toi, toi, toi). Ich habe sogar das Gefühl, dass es meine Wertigkeit gesteigert hat. Ich bin eben nicht immer da und habe auch noch andere spannende Projekte und Ideen die verwirklicht werden wollen.

Das hat was!

Autor: Ines
inescordes@web.de

Kreatives Multitalent mit viel Wissen und Erfahrung aus über 20 Jahren Selbstständigkeit. Ich zeige dir wie du dein geliebtes Business nach vorne bringst & dabei glücklich bist. LET´S DO IT! Mehr über mich!

2 Comments
  • Lena
    Posted at 15:30h, 10 Januar Antworten

    Hallo!
    Ich lese zum ersten Mal Ihre Beiträge und will gestehen, ich bin völlig begeistert. Ich habe noch von keiner Businessfrau über solches Herangehen ans Geschäft gehört. Viele wollen möglichst viel verdienen und keine Minute verlieren. Sie haben aber wirklich Spaß und leben ein volles Leben. Weiter so!
    Schöne Grüße
    Lena

    • Ines
      Posted at 20:27h, 10 Januar Antworten

      Liebe Lena,
      ich bin ganz gerührt – vielen herzlichen Dank für Ihr Feedback. Das motiviert mich ohne Ende so weiterzumachen.
      Danke und herzliche Grüße,
      Ines

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